|
DIE
GROSSE WATT LÜGE
Wenn
man die maßlos überzogenen Angaben über Belastbarkeit lese dann
ist einem Angst und Bange
Immer wieder wird
den Kaufinteressierten vorgegaukelt, dass Schalldruck zur Belastbarkeit
proportional sei. So ein Unsinn! Wer wirklich hohen Schalldruck
möchte muss auf ganz anderes achten.
1. den Schalldruck
bei 1Watt, 2,83V, 1 Meter Entfernung kurz SPL; in dB
2. den Einsatz hart
aufgehängter Tief-und Mitteltöner, Hochtonhörner oder auch Mitteltonhörner.
3. die Verwendung
hochwertiger Frequenzweichen, mit Folienkondensatoren und weitgehend
(Hoch-und Mittelton) mit Luftspulen bestückt. Keine billigen
Elkos und dünndrahtigen Ferritspulen (sind schnell "satt")
4. als Antriebsprinzip
nur Reflex und Exponential oder eine Kombination daraus. Diese
bringen deutlich spürbaren Discobass (um 80Hz). Die klanglich
ausgewogene Exponential-Transmissionline Kombination ist sogar
HiFi tauglich. Ein reines, frontgeladenes Exponentialhorn müsste
zur Tiefbasswiedergabe extrem riesig sein.
Zur
Belastbarkeit:
Ein weicher 20cm
Tieftöner mit einer oft unter 25mm kleinen Schwingspule würde
bei angegebenen 500W Belastbarkeit nach wenigen Sekunden in
Rauch aufgehen. Auch stärkere werden sehr bald zu heiß. Bei
zu großen Auslenkungen schlägt die Schwingspule gerne auf der
Polplatte auf - damit zerstört. Ein wirklicher 500Watt Tieftöner
misst mindestens 12" (30cm) seine Schwingspule ist 3" (75mm)
groß und gut gekühlt, und wiegt um10 Kilo! Mitteltönern sind
noch geringer belastbar. Ernst wird es bei den Hochtönern. Dieser
Frequenzbereich ist zwar sehr energiearm, aber die Verwendung
von Klangreglern und Equalizern kann das schnell ändern. 10
Watt ist für einen Hochtöner extrem viel, was nur hochwertige
aushalten. Deshalb muss ein Hochtonhorn verwendet werden, das
deutlich lauter ist als der Tieftöner (SPL 105-108 dB). Warum?
Ein vorgeschalteter Spannungsteiler passt den Schalldruck an
andere Treiber an und erhöht die Belastbarkeit um das Mehrfache!
Was
bedeutet der Wirkungsgrad (mit SPL verdeutlicht)
in der Praxis Kleine
Billigboxen kommen über die 85 dB Marke kaum hinaus, bei echten
PA-Systemen ist 105 dB üblich. So viel ist das nicht.....von
wegen! Die Dezibel sind logarithmisch! 20 dB mehr bedeutet 100
fachen Schalldruck!!! Die billigen Boxen kommen unter absoluter
Volllast (50W) dann auf etwa 102 dB. Lässt sich annäherungsweise
berechnen: 10log(Leistung in Watt)+SPL = 10log50+85 = 17+85
= 102; dB
Einige Beispiele
zum SPL: kleine weiche Tieftöner 84-88 dB, große selten über
92 dB, für große harte ist 98 dB üblich (da ist man vor verfälschten
Angaben auch nicht sicher, da der höhere, nicht genutzte, Frequenzbereich
mit einbezogen wird. Tiettöner werden wegen Schallbündelung
bei höheren Frequenzen deutlich lauter). Hinzu kommt der Schalldruckgewinn
oben erwähnter Gehäuse. Bei geschlossenen gibt es keinen.
Noch
ein großer Irrtum:
Warum gehen Lautsprecher
kaputt wenn der Verstärker garnicht ausgelastet wurde? Wann
der Verstärker überlastet ist merkt man meist nicht. Je niedriger
die Impedanz der Lautsprecher desto höher die Last für den Verstärker.
Die Nennimpedanz 4 oder 8 Ohm sagt leider wenig aus. Es kann
leicht ein Frequenzbereich dabei sein, der den Verstärker mit
2 Ohm und weniger belastet. Das kann den Verstärker beschädigen.
Nun aber zu den Lautsprechern: gerade bei Partys fällt eine
Klangverschlechterung durch drohende Überlast des Verstärkers
kaum auf. Ein bischen geht noch! Leider nein! Das kommt bei
Überlast: Die Wellen werden oben abgeschnitten (sog. Clipping),
der Verstärker liefert kurzzeitig Gleichstrom, das ist der Tod
für jede Schwingspule. Gute Boxen werden selten durch Überlast,
aber häufig durch Clipping zerstört. Die Faustformel muss umgekehrt
sein! Also Verstärkerleistung HÖHER als die Belastbarkeit der
Boxen, so ist man sicher vor Clipping. Zu beachten ist allerdings,
dass jeder Verstärker irgendwann clippt. Auch die gefährlichen
Oberwellen sollte man nicht ausser Acht lassen. Ergo: den stärkeren
Verstärker nicht allzu stark "aufdrehen"
Zum
Abschluss noch ein Trugschluss:
Eine ausgeblasene
Feuerzeugflamme vor dem Tieftöner ist kein Indikator für hohen
Schalldruck, sondern nur für hohe Blindleistung, wobei die Luft
nicht verdichtet sondern nur geschoben wird (kein Schall)
WIEVIEL
WATT BRAUCHT DER MENSCH?
Der Wirkungsgrad
einer Box ist die Aussage, wie hoch die Leistung eines Verstärkers
sein muss, um eine bestimmte Lautstärke zu erzeugen. Für 96
dB in 1m Abstand (das ist laut!) benötigt eine Box mit 98 dB
SPL nur 0,63 Watt, hat aber einen Wirkungsgrad von 4% (das ist
extrem viel!). Kleine Regalboxen (86 dB SPL) brauchen schon
10 Watt bei einem Wirkungsgrad von nur 0,25%. Das bedeutet:
Bei der kleinen Box werden 99,75% der Verstärkerleistung nur
"verheizt", also nicht in Schall umgewandelt. Hochwertige Standboxen
(SPL 90 dB) benötigen ganze 4 Watt. Was soll also das Affentheater
mit den Watt? Natürlich muss erwähnt werden, dass Impulse bis
zu 50-facher Leistung reichen. Das allerdings nur bei sehr guten,
dynamikstarken CDs, bestimmt nicht beim MP3- Downloadschrott.
Ganz
wichtig:
Watt ist
nicht Watt Angaben wie PMPO (Peak Momentary Power Output) bitte
nicht beachten.....der Unterschied zum Käse sind nur die Löcher.
Auch "Spitzenleistung" oder "Musikleistung" ist gerne frisiert.
Nur an "Sinus" oder "RMS"(Root Mean Square) wird selten geschönt.
Die Sinus Angabe ist viel genauer als die RMS Angabe, leider
wird heute fast nichtsmehr in Sinus angegeben :(..RMS ist da
aber schon ein hilfreiches Mittel um den Lautsprecher gut einzuschätzen.
|